Stetig nimmt der Mangel an Ärzten in ländlichen Gebieten zu. Gegen dieses Defizit will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) etwas unternehmen. Es sollen nicht nur die finanziellen Anreize für Ärzte neu arrangiert werden, sondern zudem soll die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern vorangetrieben werden. Darüber hinaus schlug der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Köhler vor, mobile Mediziner einzusetzen, die in von Kommunen eingerichteten Arztstationen regelmäßig erscheinen und die ländliche Bevölkerung medizinisch versorgen sollen.
Diese Arztstationen könnten regelmäßig von Ärzten verschiedener Fachrichtungen aufgesucht werden. So wären auch ländliche Gebiete nicht nur allgemeinärztlich versorgt, sondern auch fachärztlich. Zudem soll weiter unterstützt werden, dass Ärzte neben ihren Hauptpraxen in der Stadt auch eine Zweigstellen betreiben sollen, wie es teilweise schon der Fall ist. Durch von den Kommunen bereitgestellte Räumlichkeiten, die sich mehrere Ärzte verschiedener Richtungen durchaus auch teilen könnten, wäre dies für alle beteiligten leichter realisierbar. Veränderungen sind dringend von Nöten, denn in den nächsten Jahren schließen rund 28.000 Ärzte aus Altersgründen ihre Arztpraxen und selten fänden sich Nachfolger. Das Land ist für viele Ärzte aus unterschiedlichen Gründen wie etwa erschwerte Arbeitsbedingungen zu unattraktiv, als dass sie dort ihre medizinische Tätigkeit ausüben wollten.
Die Gesundheitsreform, die Gesundheitsminister Philipp Rösler von der FDP in diesem Jahr anstrebt, wird von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bei ihren Vorschlägen nicht außer Acht gelassen. Vor allem möchte die KVB erreichen, dass die Vergütung für Ärzte anders berechnet wird. Man möchte weniger Pauschalbeträge, dafür mehr die einzelnen Leistungen vergüten. Zudem soll auch nicht entscheidend sein, wie viele Patienten behandelt wurden, sondern welche Zeit aufgewendet wurde. Andreas Köhler von der KVB betont, dass deshalb nicht zwangsweise höhere Kosten entstehen würden. Auch die Patienten würden davon profitieren, weil die Ärzte sich länger mit einer Person befassen können. Man erhoffe sich, dass die Zahl der Arztbesuche zurückgehen würde, denn die Deutschen gehen jährlich öfter zum Arzt als es die Menschen in anderen Ländern tun, genauer gesagt 19 Mal pro Jahr durchschnittlich. Auch hier macht die KVB das derzeitige Honorarsystem verantwortlich.
Des Weiteren stellt die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Forderung, dass Hausärzte sowie Fachärzte besser mit Krankenhäusern zusammenarbeiten sollen. Leider sind solche Kooperationen momentan eher die Ausnahme. Diese Forderung wird auch von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unterstützt, denn in den Kliniken herrsche ebenfalls zunehmend ein Mangel an Ärzten. Dagegen müsse man gemeinschaftlich vorgehen. Positive Signale vermittelt auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, die diese Vorschläge offen aufnehmen, aber auch die Bedingung stellen, dass die Kosten dadurch nicht ansteigen dürften.





